Der Koloß von Tarup

In der Antike zählten sieben Bauwerke zu den Weltwundern. Eines von ihnen war der Koloß  von Rhodos,  eine über 30 Meter hohe, monumentale Bronze-Statue. Ähnliches wird jetzt in gänzlich veränderter Form als kolossaler Wohnblock an der Kreuzung Norderlück-Taruper Hauptstraße gebaut. Auf einem Plakat liest man, dass hier „die neue Mitte in Tarup“ entstände, aber eher eine Festung wird, die Fremdes abwehrt. Zu dem Fremden gehören dann auch alle Taruper, die dort nicht wohnen. Mit diesem Koloß  hätte ich zwar noch leben können, wenn das Erdgeschoss mit einem Lebensmittelgeschäft, Cafe, Restaurant,  Post, Bankfiliale usw. öffentlich zugänglich gewesen wäre – was wiederum voraussetzt, dass diese öffentlichen Räume auch von Bürgern angenommen werden. Erst in dieser Einheit hätte Tarup eine wirkliche (im Sinne von „wirkend“) Mitte erhalten.

Kandidaten für Verdienstkreuze

Nach meinen Erfahrungen ist die heutige Jugend sehr freundlich, hilfsbereit und kommunikativ, wenn sie nicht gerade diese „musikalischen Ohrenschützer“ auf hat.

Ob wir es auch waren, bin ich mir gar nicht so sicher. Aber auch hier bedarf es manchmal einer kleinen oder etwas größeren Hilfe. Letztere wird massiv auf dem Sportplatz des Adelbyer Sportvereins geleistet. Gehe ich dort vorbei, höre ich Jubelschreie, Anfeuerungsrufe, manchmal auch Ausdrücke zur Frustbewältigung, und ich beobachte ein Miteinander, wie es vielleicht nicht mehr so häufig vorkommt. „Gesteuert“ wird das, soweit ich es aus der fernen Beobachterposition erkennen kann, von den engagierten und kompetenten Trainern. Sie alle hätten ein Bundesverdienstkreuz verdient. Warum eigentlich nicht?

Das Lächeln fehlt!

Meine Nord-Ostsee-Sparkasse hat ja zumindest noch eine Filiale in Tarup, wenn man den wenig ansprechenden kleinen Raum an der Kreuzung Norderlück – Taruper Hauptstraße überhaupt Filiale nennen  will. Für einen überzeugten Fußgänger und Radfahrer aber besser als nichts, auch wenn hier nur noch reines Geldabholen möglich ist. Kontoauszüge hole ich deswegen in der Innenstadt, wo gerade eine Modernisierung der Bank stattfindet bzw. abgeschlossen ist.  Bis jetzt ist zumindest ein großer Raum geöffnet. Alles ist  hier perfekt gestaltet,  sei es der warme  Farbton oder das schöne Landschaftsbild an der Stirnseite.  Viele Automaten erfüllen die  Bedürfnisse der Kunden. Und trotzdem fehlt etwas. Was?  Es gibt kein Lächeln. Die Kunden haben genug mit der Bedienung der Automaten zu tun, Angestellte der Bank sind nicht vorhanden. Man kann es drehen, wie man will:   Automaten lächeln nicht. Ein Lächeln ist für mich aber das Salz der Erde.

Dreimal lebendige Demokratie

  1. Ich nenne die Ringstraße nur noch die „Porath-Allee“. Warum? Regina und Wilfried Porath haben zumindest in diesem  Bereich Tarups sichtbare Spuren hinterlassen, die der Natur helfen und der Jugend ein Stück Lebensqualität zur Verfügung stellen: das Jugendzentrum, die Kastanienallee und die Fläche des naturnahen Spielens an der Bahn. Das ist gelebte Demokratie.
  2. Ein substantieller Beitrag zur lebendigen Demokratie war auch das gelungene und viel besuchte Stadtteilfest hinter dem Taruphus, das von Medy Frercks und vielen Helfern perfekt organisiert war. Ich vermute, dass das denkbar beste Wetter ebenfalls organisiert war.
  3. Dass das Forum Tarup mit seinem Engagement und Arbeitseinsatz von Dieter Röhling, Hubert Ambrosius und vielen anderen in diesem Zusammenhang einen entscheidenden Faktor zur lebendigen Demokratie bilden, muss zumindest gesagt  werden.

Nachbarschaftsfrei

Mt meinen drei unmittelbaren neben mir wohnenden freundlichen und stets hilfsbereiten Nachbarn habe ich wirklich Glück, aber nun sind sie alle ausgeflogen: Die einen müssen bei ihren Kindern in Hamburg einhüten, die anderen machen wie jedes Jahr einen kernigen Segeltörn, während die dritte Familie mit dem Wohnwagen konventionell quer durch Europa fährt. Nun kann ich nur hoffen, dass ich in dieser nachbarschaftsfreien Zeit keine Probleme mit der Waschmaschine, mit dem Licht oder Tablet bekomme, denn sie sind für kleinere Sachen meine tüchtigen „Ersatzhandwerker“, die stets, wenn gebraucht, zur Stelle sind.

Was ist Schönheit?

Manchmal denke ich, dass ich in der Zeit des Meckerns und des Klagens auf hohem Niveau in meinen Beiträgen nur Positives schreiben und nur das kritisieren sollte, was Schönheit gefährdet bzw. verhindert. Schönheit kommt  längst nicht immer großartig in Form von teuren Waren daher, sondern sie offenbart sich auch in einem unterwarteten  Lächeln, einem Blick in den bühenden Kirschbaum, einer kleinen Hilfestellung beim Besteigen des Busses, einem  netten Gespräch. Ich glaube einfach, dass es stimmt, wenn Lukas schreibt:  „Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch“. Aber man muss für das unspektakulär Schöne natürlich einen Blick haben.

Schönheit pur in Tarup

Ich bin mir ziemlich sicher: Der schönste Spazierweg der Welt liegt  nicht auf Lanzerote oder auf den Malediven, sondern  in Tarup.

Genauer: Entlang der Beek und den Bahngleisen und  von dort auf halber Höhe diagonal zurück zur Beek. Hier liegt eine Wiese, die im Frühjahr einen gelben Ozean blühender Löwenzähne, der  jetzt im Hochsommer von einem bunten Teppich aus Wildkräutern abgelöst wird. Wunderschön!

WeiterlesenSchönheit pur in Tarup