1300 qm oder 800 qm oder doch noch warten

 Mit Freude habe ich diesen Artikel

CDU und Linke wollen auf dem Grundstück an der Taruper Hauptstraße 2-4 Planungsrecht für einen 1300 Quadratmeter großen Discounter schaffen. 

in der heutigen shz gelesen. Ich fing schon wieder an, an die Politik zu glauben, an Herrn Rüstemeier zu glauben.

Dann habe ich heute Nachmittag den Liveblog der shz aus der Planungsausschußsitzung verfolgt. Ich hab ihn kopiert und lesen Sie selbst:

26. März 2019 16:00
Wir melden uns live aus dem Planungsausschuss im Technischen Rathaus. Die Kommunalpolitiker beschäftigen sich gleich mit der Nahversorgung in Tarup. CDU und Linke wollen auf dem Grundstück an der Taruper Hauptstraße 2-4 Planungsrecht für einen 1300 Quadratmeter großen Discounter schaffen. Auch von FDP und WiF liegen ähnlich lautende Anträge vor.

26. März 2019 16:20
Die Debatte um einen neuen Nahversorger in Tarup hat begonnen. „Die Ansiedlung des kleinteiligen Lebensmittelmarkts ist vor dem Hintergrund einer nachhaltigen Angebotsverbesserung an der Taruper Hauptstraße zu befürworten“, sagt Jonas Römer von der Stadt Flensburg. 
Jedoch sei nur ein Lebensmittelmarkt mit einer maximalen Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern vereinbar mit dem Einzelhandelskonzept der Stadt Flensburg. CDU, Linke, WiF und FDP fordern bis zu 1300 Quadratmeter Verkaufsfläche für den Discounter.

26. März 2019 16:54
Frank Hamann (Die Linke): „Seit vielen Jahren versucht man vergeblich, jemanden für 800 Quadratmeter Verkaufsfläche zu finden. Wir fänden es verheerend, wenn wir uns auf eine Flächengröße festlegen, für die wir jahrelang niemanden gefunden haben.“
Hubert Ambrosius (WiF): „Wir verstehen nicht, warum sich die Verwaltung seit Jahren mit Händen und Füßen gegen einen Nahversorger in Tarup wehrt. Es ist schade, dass sie so viel Geld in die Hand nimmt, um einen Nahversorger zu verhindern.“
Kurt Neumann (CDU): „Sie (Anm. der Red.: Die Verwaltung) werden keinen Erfolg haben, einen Nahversorger mit 800 Quadratmetern Verkaufsfläche zu finden.“
Axel Kohrt (SPD): „Wir glauben an das Einzelhandelskonzept der Stadt Flensburg. Wenn es noch einen Interessenten für 800 Quadratmeter Verkaufsfläche gibt, sollten wir heute keine Entscheidung für eine Verkaufsfläche von 1300 Quadratmeter fällen. Ziehen Sie Ihre Anträge für wenigstens vier Wochen zurück.“

(Anmerkung von mir: Diese Taktik verfolgt Herr Kohrt seit Jahren, bisher mit seinem Helfer Herr Dr. Schroeders, der ist nun weg. )

26. März 2019 17:07
Stefan Thomsen (Grüne): „Ich kann nicht verstehen, warum in dieser Phase vier Fraktionen 1300 Quadratmeter Verkaufsfläche fordern. Wenn die 1300 Quadratmeter erstmal stehen, baut niemand mehr auf 1250 Quadratmeter.“
Justus Klebe (SPD): „800 Quadratmeter sind kein Tante-Emma-Laden. Interessenten müssen sich den Vorgaben der Stadt anpassen.“

26. März 2019 17:25
Die Entscheidung ist gefallen: Der Planungsausschuss wird sich am 7. Mai erneut mit einem Nahversorger für Tarup beschäftigen. Alle vier Fraktionen (CDU, Linke, FDP und WiF) haben ihre Anträge zurückgezogen. In den kommenden sechs Wochen soll der Verwaltung Zeit gegeben werden, um einen Nahversorger mit einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern zu finden. Außerdem wollen sich die Fraktionen über einen möglichen gemeinsamen Antrag verständigen.

Das 9. Jahr ohne Nahversorgung in Tarup hat gerade begonnen, was macht da ein Monat.

Wie es überhaupt zu einem Tarup ohne Supermarkt gekommen ist, lesen Sie hier.

3 Gedanken zu “1300 qm oder 800 qm oder doch noch warten”

  1. Zu dem aus meiner Sicht sehr informativen Beitrag“1300 qm oder 800 qm oder doch noch warten“ von Dieter Röhling eine anmerkende Frage: Muss denn alles so groß sein, genügt nicht die Größe des ehemaligen Edeka-Ladens? Müssen sich Läden immer den maßlos steigernden Bedürfnissen der reflexionslosen Konsumenten anpassen oder kann es nicht mal auch umgekehrt sein? „Small is beautiful“ hieß ein Kultbuch der siebziger Jahre. „Hochfeld“ als Standort ist sicherlich nicht die endgültige Lösung für Tarup, aber als Zwischenlösung ein Fortschritt. Mit dem Rad an der Beek entlang und unterhalb der Gleise zur Ringstraße ist eine wunderschöne Tour, die zudem ein Beitrag zum Klimaschutz ist.
    Zur Ansiedlung von REWE und anderen Läden auf dem Hochfeld ein Verbesserungsvorschlag: Es gibt hier nur zwei „Kulturen“: das Auto und den Einkauf. Die Autos können direkt vor der Tür parken. Separate Wege für Fußgänger und Radfahrer, d. h. eine vermittelnde, relativ zweckfreie Zone gibt es nicht. Mein Verbesserungsvorschlag: Ein ca. 20 Meter breiter autofreier „Streifen“ vor den Eingängen für Fußgänger und Radfahrer, der mit Bänken, Bäumen, kleinen Spielgeräten und im Sommer mit bunten Schirmen ausgestattet, würde wesentlich das Gesamtbild verschönern, d. h. verlebendigen. Dieser autofreie Streifen müsste bis zur Hauptstraße geführt und vom Parkplatz durch einen kleinen Wall getrennt werden. Zusätzlich: Eine Ampel für Fußgänger (Kinder!) zum Wohngebiet einrichten.

  2. Neun Jahre wird rumgewerkelt, nix wird erreicht. Jetzt braucht man nochmal 6 Wochen um wieder nix zu erreichen. Das ist echte Politische Vorgehensweise. Das Einzelhandelskonzept hat man so lange verbogen bis es den Vorstellungen der Verwaltung passt.
    Die Aussage von Herrn Justus Klebe (SPD): „800 Quadratmeter sind kein Tante-Emma-Laden. Interessenten müssen sich den Vorgaben der Stadt anpassen.“ ist schon bemerkenswert.
    Herr Klebe, Sie haben den Auftrag die Bürger, auch die von Tarup, zu vertreten und die haben Ihnen deutlich genug gesagt was Sie wollen. Lästig, diese Bürgerbeteiligung.

  3. Spätestens jetzt muss jedem klar sein, dass es keinen Nahversorger für Alt-Tarup geben wird. Damit werden die älteren Bewohnerinnen und Bewohner nicht zuletzt auch von sozialer Teilhabe in ihrem Stadtteil abgeschnitten.

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