Eddy und Hanna

An der Beek ist man nicht nur in schöner Natur, sondern man lernt  viele interessante Menschen, genauer Hundehalterinnen und Hundhalter, aber auch viele interessante Hunde kennen. Von ihnen stelle ich zwei vor, Eddy und Hanna. Warum gerade diese beiden?

Jeder für sich verkörpert gewissermaßen in Reinform die zwei entgegengesetzten Möglichkeiten eines Hundecharakters: Eddy, ein junger Labradorrüde, ist voller ungezügelter Lebenskraft und -freude, draufgängerisch, spontan, kurz: reine Natur. Sieht er mich, kommt er mit höchster Geschwindigkeit angerast und rennt mich, wenn ich nicht aufpasse, fast über den Haufen. Er lebt seine Gefühl uneingeschränkt aus, ein liebenswerter Chaot.

Hanna, eine Königspudeldame, ist im Auftreten und Verhalten wahrhaft königlich: vornehm, diszipliniert, souverän, immer selbstkontrolliert,  nur einem Ziel dienend, ihrem sehbehinderten Herrchen das Laufen so leicht wie möglich zu machen, kurz: perfekte Kultur. Sieht mich Hanna, nimmt sie mich zwar wahr, aber fast unmerklich. Sie ist eben introvertiert.

Ich will damit nicht sagen, dass die vielen anderen Hunde weniger interessant und liebenswürdig  sind, aber eben nicht so einseitig ausgestattet wie Eddy und Hanna.

Übrigens denke ich im tiefsten Innern, dass zwischen Hund und Mensch keine entscheidenden Unterschiede bestehen. Und, wenn das stimmt, könnte man wagen, ebemfalls zwischen Menschen diese zwei Grundformen auszumachen.




Johanna

Natürlich vermissen wir in Tarup schmerzlich einen Nahversorger und hoffen sehr, ihn irgendwann doch noch zu bekommen. Aber solange keiner da ist, müssen wir improvisieren. Dafür laufen wir an der Beek und Bahn bis zur Ringstraße, also Genuss pur. Dann durch die Bahnunterführung zur Hochfelder Landstraße hin zu REWE. Dieses letzte Stück ist landschaftlich weniger schön, aber erträglich kurz. Beim Betreten des Einkaufzenters fiel mir sofort ein kleines Mädchen zwischen drei oder vier Jahren auf. Sie schob einen kleinen Einkaufswagen voller Elan vor sich hin. Ihr Vater folgte ihr mit Abstand, offensichtlich konnte er mit dem Tempo seiner Tochter nicht mithalten. Mein Eindruck war, sie war mit ihrem Vater einkaufen und nicht der Vater mit ihr. Zielstrebig steuerte sie  Regale und Schränke an, holte die von ihr gewünschten Waren allein raus und packte sie in ihren Wagen. Nur in der Fleischerabteilung musste sie wegen ihrer Kleinheit das Feld dem Vater überlassen,  passte aber genau auf, dass der alles richtig machte. Und sie nahm sich noch die  Zeit, mir zuzurufen „Ich heiße Johanna“.  Johanna ist freundlich, selbstbewusst und apart. Sie wird nicht nur  eine typische Taruperin, sie ist es bereits. Johanna ist übrigens Ursache dafür,  dass ich ihretwegen meinen Einkauf fast vergessen hätte. Dieses  Knüllerkind geht mir einfach nicht aus den Sinn.




Die Moldau in Tarup

Der große Pestalozzi hat der Pädagogik ins Stammbuch geschrieben, nie zwei Kinder miteinander zu vergleichen. Das gilt meiner Ansicht nach für alle Vergleiche. Trotzdem werde ich dieses Verbot hier missachten, wenn ich die Moldau, den längsten Fluss Tschechiens, mit unserer Beek in Beziehung setze. Die Moldau ist jedem  Musikkenner, der ich übrigens nicht bin, bekannt. Hört man in diese Tondichtung des großen Smetana hinein, steigen sofort realistische Bilder auf: Die Wellen plätschern, tosen, überwinden Stromschnellen oder fließen in  träger  Ruhe gemächlich dahin. Genau diese Bilder steigen in mir auf, wenn ich an der Beek insbesondere nach einer Regenperiode spazieren gehe. Natürlich ist hier  alles etwas kleiner, weniger dramatisch, aber trotzdem beeindruckend schön. Ich frage mich, ob sich nicht ein  Komponist finden wird, der die Beek in Töne  setzt, verdient hätte sie es.




Der Koloß von Tarup

In der Antike zählten sieben Bauwerke zu den Weltwundern. Eines von ihnen war der Koloß  von Rhodos,  eine über 30 Meter hohe, monumentale Bronze-Statue. Ähnliches wird jetzt in gänzlich veränderter Form als kolossaler Wohnblock an der Kreuzung Norderlück-Taruper Hauptstraße gebaut. Auf einem Plakat liest man, dass hier „die neue Mitte in Tarup“ entstände, aber eher eine Festung wird, die Fremdes abwehrt. Zu dem Fremden gehören dann auch alle Taruper, die dort nicht wohnen. Mit diesem Koloß  hätte ich zwar noch leben können, wenn das Erdgeschoss mit einem Lebensmittelgeschäft, Cafe, Restaurant,  Post, Bankfiliale usw. öffentlich zugänglich gewesen wäre – was wiederum voraussetzt, dass diese öffentlichen Räume auch von Bürgern angenommen werden. Erst in dieser Einheit hätte Tarup eine wirkliche (im Sinne von „wirkend“) Mitte erhalten.




Kandidaten für Verdienstkreuze

Nach meinen Erfahrungen ist die heutige Jugend sehr freundlich, hilfsbereit und kommunikativ, wenn sie nicht gerade diese „musikalischen Ohrenschützer“ auf hat.

Ob wir es auch waren, bin ich mir gar nicht so sicher. Aber auch hier bedarf es manchmal einer kleinen oder etwas größeren Hilfe. Letztere wird massiv auf dem Sportplatz des Adelbyer Sportvereins geleistet. Gehe ich dort vorbei, höre ich Jubelschreie, Anfeuerungsrufe, manchmal auch Ausdrücke zur Frustbewältigung, und ich beobachte ein Miteinander, wie es vielleicht nicht mehr so häufig vorkommt. „Gesteuert“ wird das, soweit ich es aus der fernen Beobachterposition erkennen kann, von den engagierten und kompetenten Trainern. Sie alle hätten ein Bundesverdienstkreuz verdient. Warum eigentlich nicht?




Das Lächeln fehlt!

Meine Nord-Ostsee-Sparkasse hat ja zumindest noch eine Filiale in Tarup, wenn man den wenig ansprechenden kleinen Raum an der Kreuzung Norderlück – Taruper Hauptstraße überhaupt Filiale nennen  will. Für einen überzeugten Fußgänger und Radfahrer aber besser als nichts, auch wenn hier nur noch reines Geldabholen möglich ist. Kontoauszüge hole ich deswegen in der Innenstadt, wo gerade eine Modernisierung der Bank stattfindet bzw. abgeschlossen ist.  Bis jetzt ist zumindest ein großer Raum geöffnet. Alles ist  hier perfekt gestaltet,  sei es der warme  Farbton oder das schöne Landschaftsbild an der Stirnseite.  Viele Automaten erfüllen die  Bedürfnisse der Kunden. Und trotzdem fehlt etwas. Was?  Es gibt kein Lächeln. Die Kunden haben genug mit der Bedienung der Automaten zu tun, Angestellte der Bank sind nicht vorhanden. Man kann es drehen, wie man will:   Automaten lächeln nicht. Ein Lächeln ist für mich aber das Salz der Erde.




Dreimal lebendige Demokratie

  1. Ich nenne die Ringstraße nur noch die „Porath-Allee“. Warum? Regina und Wilfried Porath haben zumindest in diesem  Bereich Tarups sichtbare Spuren hinterlassen, die der Natur helfen und der Jugend ein Stück Lebensqualität zur Verfügung stellen: das Jugendzentrum, die Kastanienallee und die Fläche des naturnahen Spielens an der Bahn. Das ist gelebte Demokratie.
  2. Ein substantieller Beitrag zur lebendigen Demokratie war auch das gelungene und viel besuchte Stadtteilfest hinter dem Taruphus, das von Medy Frercks und vielen Helfern perfekt organisiert war. Ich vermute, dass das denkbar beste Wetter ebenfalls organisiert war.
  3. Dass das Forum Tarup mit seinem Engagement und Arbeitseinsatz von Dieter Röhling, Hubert Ambrosius und vielen anderen in diesem Zusammenhang einen entscheidenden Faktor zur lebendigen Demokratie bilden, muss zumindest gesagt  werden.