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Gedanken zu Schottergärten

Dass ich den von mir genannten Beekpark nicht nur für mich, sondern für ganz Tarup als ein großes Geschenk betrachte, habe ich schon mehrmals geäußert. Was hier für Natur und Menschen entstanden ist, ist heute schon eine Rarität.

Man sollte denken, dass dieser Gedanke keinen Widerspruch auslöst. Tut er als sprachliche Aussage auch nicht, aber in einigen ganz wenigen Fällen in der Praxis – auch in Tarup. Ich meine damit einige Schotterplätze, die fälschlicherweise als Schottergärten bezeichnet werden. Warum? Zum Garten gehören Pflanzen. Deshalb nenne ich diese „Gärten“ Schotterplätze. Die von den Steinen gebildeten Muster sind ein Triumph (toter) geometrischer Formen, die nichts mit Natur zu tun haben. Dass es, abgesehen von Überlegungen zur Schönheit, heute aber aus ökologischen Gründen auf jede Pflanze ankommt, muss Teil eines modernen Bewusstseins sein bzw. werden. Auch hier gilt der sinnvolle kategorische Imperativ Kants: Verhalte Dich so, dass Dein Verhalten jederzeit allgemeines Gesetz werden kann.   Wäre es nicht grauenhaft, wenn die Versiegelung von Naturflächen nun auch unsere schönen Gärten erfasst?




Ein aktueller Hinweis

Husums Krokusblüte  zu sehen, ist ein tolles Ereignis, aber ich finde Tarups Löwenzahnblüte auf der Wiese am Vogelbeerenweg in Tarup Süd, wo im Moment nicht nur einige, sondern flächendeckend Tausende Löwenzähne blühen, schöner.   Wohl wissend, dass ich damit eine Minderheitenmeinung vertrete.  Aber vielleicht ist dieses Urteil gar nicht notwendig, denn der schon genannte große Pädagoge Pestalozzi hat einmal  gesagt, dass man Kinder nicht vergleichen dürfe. Und da hat er Recht. Aber diese Auffassung gilt nicht nur für Kinder, sondern für vieles, so auch für die Natur. Ich revidiere deshalb  mein Urteil und sage: Die Löwenzahnwiese in Tarup ist genau so schön wie die Krokusblüte im Husumer Schlosspark. Ideal wäre, beides zu genießen, Krokusblüte in Husum und Löwenzahnblüte in Tarup.

Da Löwenzähne nicht endlos blühen, sondern wie alle Schönheit zeitlich begrenzt ist, lautet meine Empfehlung, so schnell wie möglich auf zur Löwenzahnwiese. Allerdings bei Sonnenschein, denn Löwenzähne verkriechen sich schnell wie Menschen bei Kälte. Ich bin mir sicher, dass deren Schönheit Euch zwingt, diesen Besuch mehrmals zu  wiederholen.

Ein Nachtrag: Beim Schreiben dieser Zeilen habe ich mich plötzlich erinnert, dass ich dieses Thema bereits vor fünf Jahren hier kurz beschrieben habe. Denke aber, dass in diesem Fall der erneute Hinweis auf diese Schönheit verzeihlich, ja hilfreich ist.




Ein Geschenk für Tarup

Sagt jemand, er oder sie  habe ein Geschenk bekommen, dann denkt man wohl immer, es handele sich um ein individuelles Geschenk, das nur ihr oder ihm gehört. Aber es gibt auch Geschenke, die mehreren zusammen gehören. So ein Gemeinschaftsgeschenk hat nun Tarup mit dem von mir bezeichneten „Beek-Park“, dem früheren Gelände „Naturnahes Spielen“  zwischen Ringstraße, Bahndamm und Tarup-Süd von der Stadt bekommen. Hier  ist den Landschaftsplanern ein kleines Juwel, ein aus meiner Sicht Gesamtkunstwerk gelungen. Als passionierter Fußgänger fällt mir sofort das Netz der geschwungenen Wege, die  sich nicht der Diktatur der Geometrie beugen. Zumindest auf den ersten Blick weiß man nicht so recht, wo sie anfangen und wo sie enden. Der Blick hat immer was zu tun. Die Wege sind hinlänglich auch für Radfahrer und Kinderwagen breit, ihr Untergrund  ist fest, aber trotzdem natürlich  und hat  durch den hellen Sand ein  augenfreundliches Aussehen. Aber es gibt noch viel mehr zu loben:

–         die Feuerstelle zum Grillen, die sich geheimnisvoll in die Sträucher schmiegt,

–         genug Bänke und Liegen laden zu Ruhepausen ein,

–         der kleine Rodelberg wird wohl erst im Winter, wenn es hoffentlich schneien wird, von kleinen und großen Kindern in Beschlag gelegt,

–         selbst an die Bienen ist mit einem „Hotel“ gedacht worden,  zwar nicht eins mit fünf Sternen, aber immerhin,

–         zwischen den Wegen hat man Inseln für Wildblumen gelassen, ein kleiner, wenn auch nicht ausreichender Naturschutz,

–         für Gesundheitsengagierte mit speziellen Themen gibt es Beete mit unterschiedlichen Materialien für eine Fußmassage,

–         bereits vorhandene Bäume und Sträucher hat man stehen gelassen, die dadurch den Eindruck eines Parks noch verstärken,

–         nicht in dieser Aufzählung dürfen der  von  Hubert Ambrosius selbst eingebuddelte Apfelbaum und der von Stefan Kleinschmitt gestiftete Nußbaum vergessen werden,

–         das Hunde-Auslaufgelände, vielleicht sinnvoll und notwendig, ist nach meinem Geschmack etwas zu festungsartig geraten.

Fazit: Ein großer Gewinn für Tarup, zumindest für Bürgerinnen und Bürger, die Natur grundsätzlich nicht erst nach einer längeren Autofahrt, sondern fußläufig vor Ort aufsuchen und genießen können. Vor kurzem wurde dort selbst ein Kindergeburtstag zur allgemeinen Freude gefeiert. Im Beek-Park liegt Potenz.




Erntezeit

Ernten war in meiner Kindheit bei uns und unseren Verwandten eine Selbstverständlichkeit, heute wohl eher seltener. Aber nun besteht die Chance, wenn man keinen Garten oder nur einen Ziergarten hat, Obst ohne Einschränkungen zu ernten. Wo das? Natürlich in Tarup, genauer: Auf der Diagonalen von der Beek zu den Bahngleisen (auf der Wiese am Vogelbeerenweg) stehen Obstbäume. In diesem Jahr hat das Forum Tarup sich intensiv um diese Obstbäume gekümmert, vorweg Hubert Ambrosius mit Fachmann Gunnar Appelt vom TBZ.  Und jetzt kann man sagen „Mit vollem Erfolg“. Damals galten unter uns Kindern die Birnen aus Nachbars Garten als die besten. Stimmt für mich heutzutage allerdings nicht mehr, denn geschmackvollere Birnen als die Taruper habe ich noch nie gegessen: saftig, groß, rund, gut aussehend. Zur Zeit kann ich selbst leider nicht miternten. Auch fehlen mir dazu die notwendigen Geräte. Deswegen sitze ich oft etwas traurig auf einer der dort stehenden Bänke und gucke sehnsuchtsvoll auf die mir nicht zugängliche Köstlichkeit. Aber Rettung nahte gestern in der Person von Knud, dem Sohn meiner Nachbarn, der sich plötzlich neben mich setzte und sofort ein lebendiges Gespräch anfing. Ein großer Korb, gut gefüllt mit frisch gepflückten Birnen, stand auf seinen Knien. Auf die schaute ich  lungernd. Das hat er natürlich schnell bemerkt und gab mir prompt einige davon. Den köstlichen Geschmack hab ich noch auf der Zunge!

 Aber wir beide waren  nicht die einzigen Interessenten. Ein älteres Ehepaar mit entsprechender Ausrüstung hatten        bereits reichlich die mitgebrachten Körbe gefüllt, auch fuhr eine Frau glücklich von dannen, ebenfalls mit einem gefüllten Korb.

Nun erfahre ich, dass Forum Tarup einlädt, am Samstag, den 19.09.2020 ab 14.00 Uhr gemeinsam mit Interessierten die Obsternte zu beginnen. Auch wenn die oben geschilderten Taruper bereits  auf eigener Initiative mit der Ernte begonnen haben, braucht keiner Angst zu haben, am Sonnabend ohne Birnen und Äpfel nach Hause gehen zu müssen: die Bäume sind noch immer propevoll.

Fazit: Das ist ein Geschenk der Natur, vielleicht auch ein Gottesgeschenk- und ich finde es nur gut, dass viele Bürger dieses Geschenk annehmen.

 




Eine Taruper Persönlichkeit

Lina (der Name wurde von der Redaktion geändert) ist jetzt fast zweieinhalb Jahre alt. Sie ist  in jeder Beziehung bemerkenswert und natürlich eine waschechte Taruperin. Sie fremdelt nie. Besucht sie mich und die Nachbarn, was sie regelmäßig tut, erkundet sie zuerst einmal selbstbewusst die ganze Wohnung – natürlich ohne jegliche Hilfe. Meinen ihre ihr sehr zugetanen Eltern, dass nach zwei oder drei Stunden Zeit wäre, wieder nach Hause zu gehen, macht sie ganz gegen ihre Art einen Mordspektakel, sie will offensichtlich nicht den Ort verlassen. Das ist jedes Mal der Fall, egal wo. Nach langem Bedenken komme ich zu dem Schluss, dass Lina bereits jetzt von der Unwiederbringlichkeit eines jeden Abschieds weiß, zumindest ahnt. Das wissen oft nicht einmal alle Erwachsenen.




Magischer Ort in Tarup?

In einem Aufsatz von Christoph Wegmann „Wie Theodor Fontane Wirklichkeit als Bilder erzählt“ lese ich:

Ein Mensch kann wie benommen dastehen, weil  sich vor ihm eine schöne Landschaft öffnet, die ihn fesselt und die voll eigenen Reizes ist. Häufig wandelt sich in einem magischen Augenblick die ganze Umgebung zum Bild und die Betrachterinnen und Betrachter verfallen dem Zauber des sie umliegenden Bildes.

Das ist vielleicht eine Erfahrung, die wir nur noch im Urlaub an berühmten Orten machen, aber nicht in Schlesweig-Holstein, Flensburg oder gar in Tarup. Und doch gibt es zumindest in Tarup ein Fleckchen, das zumindest in mir diese Gefühle auslöst. Geht man am Sportplatz vorbei und überquert die Ringstraße in Richtung Sünderup, liegt an der rechten Seite des Weges ein kleiner See, den ich, um seinen Wert zu erhöhen, Sünderuper See nenne. An seinem Ufer stehen zwei Bänke, von denen aus man den ganzen Zauber dieses Sees und seiner Umgebung auf sich einwirken lassen kann, wenn man sich öffnet. Ich will erst gar nicht versuchen, mein Bild hier wiederzugeben, denn mit Sicherheit wird bei jedem anderen ein anderes Bild entstehen. Deshalb  am besten an einem lauen Sommerabend sich selbst dorthin begeben.  Mit innerer Ruhe und auch Zeit wird  dieser kleine See für Dich ein beeindruckender Ort, der ja nicht gleich magisch werden muss.

In diesem Zusammenhang kann ich eine zeitkritische Vermutung nicht unterdrücken: Gehaltvolle Bilder sind wertvoll. Sie verlieren aber ihren Wert, wenn sie innerhalb eines begrenzten Zeitrahmens massenhaft verarbeitet werden müssen, wie es der Fall bei elektronischen Unterhaltungsmedien ist. Hier hat der Zuschauer nur die Wahl der Resignation oder unterliegt der Täuschung im Sinne von Fernsehen als dem Fenster zur Welt. Bilderfluten entwerten.




Naturpark Beek – eine Utopie?

Utopia heißt wortwörtlich aus dem Griechischen übersetzt „Nicht-Ort“. Davon abgeleitet Utopie, eine Schilderung eines zukünftigen Zustandes. Ist mein Traum,  das Gelände zwischen  Beek , Bahndamm, Ringstraße (Porathallee) zu einer Naturoase und Park weiter zu entwickeln eine Utopie? Nein! Es ist kein Wunschtraum oder gar Hirngespinst, da  viele Elemente dieser Idee bereits vorhanden sind,  die  zwar ergänzt und dann zu einem Ganzen zusammengefügt werden müssten. Vorhanden sind bereits die meisten Wege, zwei kleine Seen, ein naturnaher Spielplatz, eine Wildblumenwiese  und eine landwirtschaftlich genutzte Fläche. Da gutes Gehen und Asphaltierung sich gegenseitig ausschließen, wäre ein Weg, ähnlich  dem an der Beek, direkt unterhalb der Ringstraße  der einzige Eingriff in bestehende Strukturen.

Als Naturschützer wünsche ich mir in diesem Gebiet  auch „Inseln“, wo die Natur sich selbst überlassen bleibt und nicht betreten werden darf. Eine Haltung, die wir lernen müssen, denn der Mensch darf nicht alles seinen Bedürfnissen unterordnen.

Langfristig wäre auch zu überlegen, ob nicht das „Beekgelände“ jenseits des Bahndammes durch einen kleinen Tunnel für Fußgänger und Radfahrer mit dem diesseitigen Gelände zu einer realen Einheit zusammengeschweißt werden könnte. 

Dass offensichtlich für einen solchen  Park ein großes Bedürfnis besteht, zeigen bereits die zunehmenden Besucherströme, die nicht wie bisher überwiegend aus Hundehaltern bestehen, sondern nun auch durch Kinderwagen schiebende Eltern und Radfahrern mit kleinen Kindern bevölkert werden.

Um die Wende des vorvorigen Jahrhunderts war es eine selbstverständliche kommunalpolitische Aufgabe, für Bürger Parks als Naherholung einzurichten. Heute scheint dazu nicht mehr die Kraft zu reichen. Tarup  könnte diesen negativen Trend stoppen.