Johanna

Natürlich vermissen wir in Tarup schmerzlich einen Nahversorger und hoffen sehr, ihn irgendwann doch noch zu bekommen. Aber solange keiner da ist, müssen wir improvisieren. Dafür laufen wir an der Beek und Bahn bis zur Ringstraße, also Genuss pur. Dann durch die Bahnunterführung zur Hochfelder Landstraße hin zu REWE. Dieses letzte Stück ist landschaftlich weniger schön, aber erträglich kurz. Beim Betreten des Einkaufzenters fiel mir sofort ein kleines Mädchen zwischen drei oder vier Jahren auf. Sie schob einen kleinen Einkaufswagen voller Elan vor sich hin. Ihr Vater folgte ihr mit Abstand, offensichtlich konnte er mit dem Tempo seiner Tochter nicht mithalten. Mein Eindruck war, sie war mit ihrem Vater einkaufen und nicht der Vater mit ihr. Zielstrebig steuerte sie  Regale und Schränke an, holte die von ihr gewünschten Waren allein raus und packte sie in ihren Wagen. Nur in der Fleischerabteilung musste sie wegen ihrer Kleinheit das Feld dem Vater überlassen,  passte aber genau auf, dass der alles richtig machte. Und sie nahm sich noch die  Zeit, mir zuzurufen „Ich heiße Johanna“.  Johanna ist freundlich, selbstbewusst und apart. Sie wird nicht nur  eine typische Taruperin, sie ist es bereits. Johanna ist übrigens Ursache dafür,  dass ich ihretwegen meinen Einkauf fast vergessen hätte. Dieses  Knüllerkind geht mir einfach nicht aus den Sinn.

Die Moldau in Tarup

Der große Pestalozzi hat der Pädagogik ins Stammbuch geschrieben, nie zwei Kinder miteinander zu vergleichen. Das gilt meiner Ansicht nach für alle Vergleiche. Trotzdem werde ich dieses Verbot hier missachten, wenn ich die Moldau, den längsten Fluss Tschechiens, mit unserer Beek in Beziehung setze. Die Moldau ist jedem  Musikkenner, der ich übrigens nicht bin, bekannt. Hört man in diese Tondichtung des großen Smetana hinein, steigen sofort realistische Bilder auf: Die Wellen plätschern, tosen, überwinden Stromschnellen oder fließen in  träger  Ruhe gemächlich dahin. Genau diese Bilder steigen in mir auf, wenn ich an der Beek insbesondere nach einer Regenperiode spazieren gehe. Natürlich ist hier  alles etwas kleiner, weniger dramatisch, aber trotzdem beeindruckend schön. Ich frage mich, ob sich nicht ein  Komponist finden wird, der die Beek in Töne  setzt, verdient hätte sie es.